- AUS DER KLAR WERKSTATT
„Man kann wenig richtig machen – aber sehr viel falsch.“
Was leistet analoge Kommunikation im Öffentlichen Sektor heute und wo stößt digitale Kommunikation an ihre Grenzen? Warum „vor Ort sein“ trotz KI und Digitalisierung entscheidend bleibt, haben wir Andreas Baur, Leiter der Stabsstelle Bürger:innenbeteiligung und Kommunikation in der Abteilung Stadtteilplanung und Flächenwidmung der Stadt Wien, gefragt.
klar: Wie zeigt sich das Verhältnis von analoger zu digitaler Kommunikation in der Praxis der Stadtentwicklung, Herr Baur?
Baur: Wir machen in Wien pro Jahr 40 bis 50 Kommunikationsprozesse mit teilweise tausenden Beteiligten. Während Corona haben wir alles digitalisiert. Wir haben versucht, analoge Veranstaltungen eins zu eins ins Digitale zu übertragen. Das ist gescheitert. Die Menschen waren ratlos. Es ist kein Co-Working entstanden.
klar: Warum funktioniert das Digitale in diesen Prozessen oft nicht?
Baur: Weil wir mit Emotionen konfrontiert sind. Wir müssen Fakten transportieren, treffen aber auf Wut, Angst und Betroffenheit. Wenn wir zu komplex auftreten, provozieren wir Aggression. Man kann wenig richtig machen, aber sehr viel falsch: zu spät kommunizieren, nicht transparent sein, das falsche Setting wählen.

klar: Was hilft in solchen Situationen konkret?
Baur: Vor Ort sein, zu den Menschen gehen, in die Bezirke, in Wirtshäuser, in Schulen. Kleine Dinge helfen: ein Stammtisch vor einem Bürgerabend oder ein Korb mit Äpfeln am Tisch. Das öffnet Herzen und Räume. In der Wahrnehmung sind wir als Stadt der Goliath, die Menschen fühlen sich wie die kleinen Davids. Dieses Bild muss man aufbrechen.
klar: Gibt es Formate, die Vertrauen besonders fördern?
Baur: Ja. Zum Beispiel Citizen-Science-Projekte. Wenn wir mit Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam Artenvielfalt erheben, gehen wir Seite an Seite durchs Gebiet. Es entsteht eine andere Gesprächssituation auf Augenhöhe, ein echtes Co-kreatives Tun.
klar: Welche Rolle spielt digitale Kommunikation dennoch?
Baur: Eine sehr wichtige. Projektbezogene Newsletter erreichen bei uns zum Beispiel bis zu 16.000 Menschen. Online-Befragungen bringen einen Faktor 100 an Rückmeldungen. Digitale Kommunikation schafft Reichweite. Aber das Analoge schafft Vertrauen.
klar: Danke für das Gespräch.